Das Portrait des Blog-Betreibers

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Vor noch nicht allzu langer Zeit bin ich über eine TV Werbung auf binäre Optionen aufmerksam geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt interessierte ich mich kaum für Themen, welche in irgendeiner Form mit Spekulationen, Börse, Wette usw. zu tun hatten. Vielmehr vertrat ich die konservative Meinung, dass man für Geld «arbeiten» sollte – was ich auch heute selbstverständlich immer noch tue – arbeiten! ;-)

Ich begab mich dann auf die in der Werbung empfohlene Plattform und begann mich mit dem Thema «binäre Optionen» zu beschäftigen. In der Folge – ich bin sehr begeisterungsfähig – eröffnete ich fünf Konten und Demokonten bei verschiedenen Brokern, um das Angebot sowie das «Look and Feel» zu testen.

Parallel dazu konsultierte ich die Internetseite, welche so viele Filmchen zur Verfügung stellt, mit "you" beginnt und "tube" endet. Ich kann gar nicht aufzählen, wie viele Tutorials ich verschlungen habe.

Spätestens jetzt wusste ich, dass sich die Thematik um binäre Optionen zweiteilt. So gibt es selbsternannte Gurus, welche ihre Spezialtechnik beinahe als 100%-Erfolg verkaufen wollen und live aufgezeichnet, locker und aus dem Ärmel geschüttelt fünfzehn 60-Sekunden-Trades à 500 Euros platzieren… 

Selbstverständlich gibt’s nichts einfacheres, als in ein paar Minuten x-tausend Euros zu gewinnen...?! Im Nachhinein frage ich mich allerdings persönlich, wie viele Male entsprechender «Guru» den Film wohl aufzeichnen musste, um mit seinem (wahrscheinlich) Demokonto, in ein paar Minuten das Jahressalär eines Handwerkers einzuspielen. 

Weitere Tippgeber beleidigten meine Intelligenz mit ihrer «Beschreibung», wie "einfach" es denn wäre mit binären Optionen massig Geld zu scheffeln. Aufgefallen ist mir dabei vor allem eines. Sie verweisen gezielt auf die Kontoeröffnung entsprechender Anbieter über die eigene Website und somit hätten wir die Affiliate-Thematik ebenfalls geklärt.

Teilweise werden auch überzahlte Trading-Seminare angeboten und es fällt auf, dass viele dieser Websites unter den Suchwörtern "Betrug" "Abzocke" usw. gefunden werden. Dahinter verbirgt sich jedoch meist nur Lob und uneingeschränktes Vertrauen zu allen möglichen Brokern. Ein Plan, um zuoberst auf den Suchportalen zu stehen? Vieles scheint hier merkwürdig. Auch dass sich viele Anbieter binärer Optionen als die Grössten, Erfolgreichsten und/oder führend im Markt betiteln.

Schliesslich und zum Glück gibt es tatsächlich auch seriöse Anbieter von Workshops, Tipps und Empfehlungen. Hier kann man definitiv etwas lernen. Hinzu zog ich mir Fachliteratur und «Bibeln» zum Thema Candlesticks, denn bei allem was ich tue, möchte ich zumindest versuchen «es» richtig zu tun.

 

Mein Plan
 

Ich sagte mir also - oder redete es mir vielmehr ein - dass wenn ich mit binären Optionen Erfolg haben möchte, es mir gelingen müsste, mit einer Investition von 20 Euros 100 Euros zu erwirtschaften. Und dies mit Maximaleinsätzen von 1-2 Euros pro Trade! Diese Idee konnte ich dreimal umsetzen. Bei Euro 100.— angekommen, liess ich mir das Geld auszahlen und bin erneut mit Euro 20.— wieder eingestiegen.

Da ich nur gerade einen Anbieter gefunden habe, welcher den Einstieg mit dieser Mikrosumme erlaubt, eröffnete ich dort mein erstes "scharfes Konto". 

 

Kurze Rückblende

Ungebremst von meiner Motivation, bzw. Mission, setzte ich die ersten Trades mit Erfolg. Dass ich damit pures Glück hatte, meine 20 Euronen innerhalb zweier Tage und mit Maximaleinsätzen von 1 Euro auf 100 Euro hebeln konnte, sollte sich bald herausstellen. Ich verlor in der Folge x-Trades und mein Konto war wiederum auf 30 Euros geschrumpft. Ich "Ärmster" wurde Opfer der exakt und in vielen Foren beschriebenen Fehlern: Gier, Selbstüberschätzung, Emotionen und mangelnde Geduld, dazu eine gesunde Portion Naivität und nicht zuletzt pure Dummheit haben mein Konto beinahe wieder vernichtet. 

Im Frust einige Trades verloren zu haben, verdoppelte ich die Einsätze, verlor weiter, missachtete, getrieben von Stress und Emotionen mein Setup (System), die Trends usw.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der stückweise Verlust von 70 Euros unzählige Schweissausbrüche und Wutanfälle bewirken kann. Geld, das ich anderweitig sonst für zig Kleinigkeiten ausgebe und kaum bemerke, wenn’s weg ist.

Aber ich bin unglaublich froh, dass ich wohl sämtliche Fehler begangen und dieses Lehrgeld bezahlt habe. Und ich hoffe, dass jeder, der diesen Text liest, dieselben Fehler begeht oder bereits begangen hat. Nicht weil ich ihm das gönnen würde, sondern weil es hoffentlich bei der Selbstreflektion und der Erkenntnis hilft, dass die «Wette» auf «put» oder «call» niemals mit Emotionen, Gier oder Ungeduld gewonnen werden kann!

Der Garant, sein Konto innerhalb kürzester Zeit zu vernichten ist zudem dieser, dass man fälschlicherweise auf die Idee kommen könnte, einen Trend zu "spüren"... Immer wenn ich mir sagte: "Nun muss es einfach abwärts, bzw. aufwärts gehen, weil dies in ähnlichen Situationen immer so war, und das Bild der Charts dies so zu vermitteln versuchte, habe ich meine Indikatoren und mein System missachtet und - VERLOREN!

Diese Erkenntnis erlangte ich schliesslich nach tausenden Trades und vielen Freinächten. Glücklicherweise musste ich nur einmal 20 Euros nachwerfen. Ich konnte weiterhin immer wieder Gewinne einfahren.

Um «im Geld» zu sein benötigst Du eine Gewinnquote von rund 60%, da der Verlust des Einsatzes jeweils höher ist, als der mögliche Gewinn. Die meisten Broker bieten eine Gewinnquote von 70 -85% pro Trade an. Setzt Du also 5 Euros und gewinnst den Trade, schlägt dies mit einem Nettogewinn (bei 70%) von 3 Euros zu Buche. Verlierst Du den Trade, sind die eingesetzten 5 Euros weg.

Ich konnte meine Quote zwischenzeitlich auf 75% hochschrauben, womit ich langfristig sehr zufrieden wäre.

 

Warum ich trade?

Folgende Aussage eines erfahrenen Traders verhalf dem logisch denkenden Bereich meines Gehirns, unbedingt mit dem Handeln zu beginnen, weiterzumachen und dran zu bleiben:

«Ich frage meinen 8-jährigen Sohn jeden Morgen, wenn ich ihn zur Schule bringe, ob ich auf «long» oder «short» setzen soll und tue das rund 100 Mal. Sein Tipp ist immer Zufall und dennoch werde ich nach vielen Trades eine 50% Trefferquote verzeichnen können. Gelingt es mir also durch die «Beherrschung» von Candlesticks und anderen Chartinformationen, die Quote meines Sohnes um einen kleinen Anteil zu überbieten, muss sich die Gewinnerseite früher oder später bestätigen».

Der «Handel» setzt jedoch ein sehr hohes Mass an Disziplin, Geduld, Selbsterkenntnis, Selbstkritik, Durchhaltewille und Emotionslosigkeit voraus.

Ich handle persönlich nicht mit binären Optionen, um davon leben zu können (vorläufig), sondern um meine Freizeitgestaltung und die einen oder anderen Annehmlichkeiten damit zu finanzieren.

Ich möchte mit diesem Text gerade andere Trader-Frischlinge ansprechen. Halte Dich an fundamentale Grundsätze, führe unbedingt ein Trading Tagebuch und Du kannst höhere Erfolge erzielen als manche «Börsen-Profis», welche immer wieder ihrer Selbstüberschätzung zum Opfer fallen. Der Markt kann niemals beherrscht werden und ein Trend bleibt zu vergleichen mit den Naturgewalten. Das schönste Wetter kann innerhalb Minuten durch eine Sturmfront umkippen.

In der Schweiz glauben viele Menschen an die «Muotathaler Wetterschmöcker». Schmöcker gleich Schmecker und das Muotathal ist eine Region in der Zentralschweiz. Diese Wetterschmecker sagen zu Beginn des Jahres, durch reine Intuition und Beobachtung das Wetter für das ganze Jahr voraus. Die Trefferquote wird wahrscheinlich mit dem Beispiel des 8-jährigen Sohnes und seinen long-, bzw. short Tipps einhergehen, oder evtl. mit der Quote eines «Börsen-Gurus», welcher davon überzeugt ist, dass er den Markt voraussagen kann ;-).

Viele glauben, dass der «Handel» mit binären Optionen dem Gang ins Casino gleichkommt und vergleichen binäre Optionen mit Roulette, bzw. dem Setzen auf Rot und Schwarz. Zum einen lassen sich beide Geschichten nicht vergleichen, weil beim Roulette rein theoretisch keine 50% Gewinnchance besteht, da die grüne Zero ebenfalls im Spiel ist. Zum anderen lässt sich ein Trend sehr wohl eher einschätzen, als die Hoffnung, dass die Farbe Rot oder Schwarz kommt.