Von der Theorie zur Praxis

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Nun, irgendwann ist dann wirklich Schluss mit Theorie und ich möchte Dir gerne beschreiben, wie ich meine persönliche Handelssequenz starte und mit welcher Strategie ich dies tue. Moment! Jetzt habe ich doch unter der Rubrik "Strategien" erklärt, dass Du Dir Deine eigene Strategie zusammenbasteln musst?! Ja, das ist richtig. Es geht dabei auch nur darum, wie eine solche Strategie aussehen kann. Und vielleicht wirst Du auch mit meiner Strategie erste Erfolge erzielen.

Der Handels-Einstieg

Ich überlege mir an erster Stelle, welche Zeiteinheiten ich handeln möchte, indem ich mein favorisiertes Portfolio überblicke. Ich suche nach Währungspaaren oder Rohstoffen, welche Charts anbieten, die zu meinem Setup passen. Das heisst, dass ich eine klare Vorstellung davon habe, wie die Trends bzw. Volatilität des entsprechenden Marktes aussehen muss.


Habe ich einen solchen gefunden, überlege ich mir, welche Laufzeiten für mich am meisten Sinn ergeben. Ich favorisiere 1-5-Minuten Trades. Bei etwas nervöseren Märkten, welche ich weniger gerne trade, entscheide ich mich meistens für sehr kurze Laufzeiten. Am liebsten handle ich klare und langfristigere Trends mit eher kurzen Kerzenkörpern. Diese sind sehr geeignet für eine Trendfolgestrategie.

Nun betrachte ich den primären, sekundären und terziären Chart. Würde ich mich ausschliesslich im Minuten- oder Fünfminutenchart aufhalten, wüsste ich nicht, warum der aktuelle Trend dort steht, wo er dies eben tut. Im kurzfristigen Chart erkenne ich evtl. einen starken Aufwärtstrend. Dieser bildet im Stundenchart jedoch nur eine Erholungsphase eines Abwärtstrends. Dieser Abwärtstrend wiedrum kann im Tageschart aber eine Erholungsphase eines Aufwärtstrends sein. Klingt kompliziert - ist es nicht! Betrachte selbst den Chart eines beliebigen Titels im Tages-, Stunden und Fünfminuten-Chart. Du wirst sofort erkennen, was ich damit erklären wollte.

Nun ziehe ich den Wirtschaftskalender zu Rate und erkundige mich nach wichtigen Nachrichten, welche den Markt beeinträchtigen könnten und setze mir exakt um diesen Zeitpunkt Alarme, damit ich nicht vergesse, meinen Handel zu pausieren. Ich handle tendentiell nicht, wenn wichtige Nachrichten anstehen und warte ab, bis sich der Markt nach den beschriebenen Nachrichten wiederum stabilisiert hat.

Habe ich ein geeignetes Setup gefunden bzw. einen Chart, welcher meinen Vorstellungen entspricht, suche ich einen geeigneten Einstieg und handle in den allermeisten Fällen mit folgender Strategie:

Einstellung der Indikatoren auf Metatrader 4 (diese habe ich als Default-Template voreingestellt)

  1. Bollinger Bänder mit den Standarteinstellungen 20/0/2
  2. 3 x EMA (gleitende Durchschnitte) 5/10/15 in drei unterschiedlichen Farben
  3. RSI 14 mit den Prozentlinien 25/50/75
  4. Stochastik mit 14/3/3

Dieser Chart sieht folgendermassen aus:

MT4 Indikatoren


Bollinger Bänder

Dies sind die Linien oberhalb und unterhalb der Kerzen. Ebenfalls gehört die graue Mittellinie innerhalb der beiden Aussenlinien zu den Bollinger Bändern. Wenn der Trend bzw. die letzten Kerzen von der oberen oder unteren Linie der Bollinger Bänder durchschnitten wird, ist dies ein Zeichen für eine Trendumkehr. Ein Zeichen! Kein Garant! Auf dem Chart siehst Du jedoch das Prinzip. Als wären die obere und untere Linie mit Strom durchflutet. Wenn die eine oder einige der darauffolgenden Kerzen das "Stromkabel" berühren, weichen die nachkommenden Kerzen in die andere Richtung aus. Entweder sie kommen zurück um zu testen, ob da wirklich Strom drauf ist, oder machen sich sofort auf den Weg in die andere Richtung. Ich bitte an dieser Stelle alle "Profis", diesen Vergleich zu verzeihen. Für mich sinds halt Bollinger Strombänder ;-)


EMA"s

Dies sind gleitende Durchschnitte über die letzten Kerzen. Gleitend heisst, z.B. bei EMA 10, dass zuerst ein Durchschnitt der letzten 10 Kerzen berechnet wird. Wenn die 11. Kerze dazu kommt, wird die 1. ignoriert und der Durchschnitt von der zweiten bis zur elften Kerze berechnet. Die 12. Kerze kommt hinzu und die 2. fällt weg, usw. Zum einen zeigen überschneidende EMA-Linien einen Trendwechsel an und zum anderen wird dies verstärkt, wenn alle drei EMA"s die mittlere Linie der Bollinger Bänder überschneiden.


RSI

Der RSI ist ein oszillierender Indikator und gehört zu den am häufigsten benutzten technischen Indikatoren. Wenn sich die Linie des RSI's über der 50% Marke befindet, handeln wir in einem Aufwärtstrend. Unter 50% beobachten wir dementsprechend einen Abwärtstrend. Liegt die Linie über der 75% Marke, ist der Markt überkauft und eine Trendumkehr ist zu erwarten. Liegt die Linie unter 25%, ist der Markt überverkauft und ein Aufwärtstrend steht an. Viele setzen hier 30% und 70% als Vorlage. Persönlich habe ich mit 25% und 75% die bessere Erfahrung gemacht.


Stochastik

Auch die Stochastik ist ein oszillierender Indikator. Wir setzen hier die Obergrenze auf 80% und die Untergrenze auf 20%, was den Standardwerten entspricht. Wie beim RSI zeigt die Stochastik einen Überkauf bzw. Überverkauf an, was in der Folge eine Trendumkehr voraussagt. Zusätzlich unterstützt die Stochastik diese Aussage durch Überkreuzen der beiden Linien.

Voilà - Viel Vergnügen! - Quatsch! ;-)

Was heisst dies nun konkret? Du hast nun die Möglichkeit, Dir zu überlegen, ob Du an Hand der Indikatoren auf einen Trendwechsel wartest, um in den Markt einzusteigen bzw. Deinen Trade zu setzen, oder Du verwendest die Indikatoren, um auszusteigen, wenn sich ein Trendwechsel anzeigt und Du in der Trendfolge getradet hast.


Nun folgt das Einzeichnen horizontaler Linien und/oder Trendlinien sowie Trendkanälen:

MT4 Linien


Ich lasse Dich nun mit dieser Grafik und dessen Interpretation alleine. Im Netz bzw. unter der Rubrik "Links" findest Du etliche Anbieter und deren Beschreibungen zu den Trendlinien, Kanälen usw. Mit etwas gutem Willen wirst Du es aber auch schaffen, diesen Chart zu interpretieren ;-).

Auf den möglichen Einstiegspunkt möchte ich allerdings kurz eingehen, damit Du meine Strategie nachvollziehen kannst. Nach einem etwas längeren Abwärtstrend siehst Du im Chart, dass die Kerzen ein paar Mal die untere Linie der Bollinger Bänder berührt oder mit der Lunte durchstossen haben. Dieser Abwärtstrend ist jedoch sehr nervös. Ebenfalls finden wir Kerzen, welche mit langem Docht nach unten etwas dagegen haben, dass der Markt fällt und tendentiell nach oben drücken. Exakt das passiert auch mit den darauffolgenden drei Kerzen.


Nun folgen drei beständige rote Kerzen. Die erste mit sehr langem Körper und zwei weitere. In dieser Formation erkenne ich "3 white Solders", also drei weisse Soldaten, welche ein starkes Indiz für einen Trendwechsel sind. Alleine und im Fünfminuten-Chart hätte ich mich nicht darauf verlassen. Du siehst jedoch, dass der RSI und auch die Stochastik einen überverkauften Markt beschreiben.

Alle diese Faktoren lassen mich beim Einstiegspunkt tatsächlich einsteigen und zwei bis drei 2-Minuten Trades eröffnen - und gewinnen!

Achte darauf, dass Du keine Messie-Charts produzierst. Es gibt sehr viele Indikatoren, Linien, Fibonachis usw. Es kann schnell passieren, dass Deine Charts so sehr mit Indikatoren übermüllt sind, dass Du vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr siehst. Trendlinien zeichne ich nur noch selten ein, weil man mit der Zeit ein Auge dafür bekommt, wo diese "virtuell" platziert sein müssten.


Meine hier vorgestellten Charts sind bereits scharf an der Grenze, und ich wollte Dir an dieser Stelle einfach die Praxis etwas näher bringen. Im Grundsatz machen z.B. oszillierende Indikatoren vor allem dann Sinn, wenn sehr viel Volatilität im Markt zu beobachten ist. Andernfalls können sie einen unübersichtlichen Messie-Chart bewirken. Du solltest oszillierende und alle anderen Indikatoren tatsächlich sparsam einsetzen und nur, wenn Du diese wirklich benötigst.

 

Viele Indikatoren sind kein Garant für erfolgreiche Trades. Zu viele bewirken das Gegenteil, weil Du vor lauter Wald die Bäume nicht mehr siehst.

Ich handle einige Strategien. Mit der hier beschriebenen bin ich jedoch durchschnittlich am erfolgreichsten. Bei 100% seriöser Anwendung versteht sich! – Und nur dann! Aktuell verzeichne ich damit eine Erfolgsquote von 74%.

Ich wiederhole. Diese Strategie soll Dir nur eine Idee vermitteln. Ich interpretiere angegebene Indikatoren wahrscheinlich anders als Du, weshalb diese Strategie für Dich nicht zwingend optimal sein muss - aber kann.